Das falsche Leben – Eine Vatersuche

Die Autorin Ute Scheub ist 1959 vier Jahre alt, als sich ihr Vater auf dem Kirchentag in Stuttgart, nach einer kurzen, flammenden Rede und einem Gruß „an seine Kameraden von der SS“, das Leben per Zyankalikapsel nimmt. Die Familie, ihre Mutter und drei ihrer Brüder, erfahren davon durch die Polizei. Sie sehen sich diversen unausgesprochenen Vorwürfen und Fragen durch die Umgebung ausgesetzt. Günther Grass war zu diesem Kirchentag geladen, dort eine Lesung zu halten. Günther Grass ist es auch, der der Familie einen Besuch abstattet, um mehr über den Selbstmörder und die Hintergründe von Manfred Augst, dem Vater der Autorin, zu erfahren. Später verfasst Grass diverse weitere Zeilen über diesen Mann und die Umstände (die zum Teil auch im Buch erwähnt sind). Ute Scheubs Vater war in der SS. Sie ist vielen Fragen und Schuldgefühlen ausgesetzt, eigenen und fremden und befasst sich in diesem Buch mit ihrem Vater, seinen Taten und seinem Leben, mit Schweigen und Traumata. Es ist der Versuch einer Annäherung, ein Versuch, zu verstehen, was geschehen ist, wie geschehen konnte, was geschehen ist. Sie beleuchtet Hintergründe, besucht Familienangehörige, taucht in die (Familien-)Geschichte ein, führt Gespräche mit Angehörigen und Betroffenen, sucht Versammlungen auf, disktutiert mit anderen (Betroffenen), die lebenslang mit dieser Schuld leben lernen müssen. Es sind Fragen, Gedanken und Gefühle, denen die Kriegsnachfolgegeneration konfrontiert sieht. In einer umfassenden Analyse, analysiert sie ihren Vater, auch Gedichte, die er geschrieben hat, Abschiedsbriefe, die sie erst mehr als 30 Jahre nach dem Selbstmord des Vaters zufällig auf dem Dachboden findet, nähert sie sich dem Thema Krieg, Kameradschaft, Familie, und findet ein paar Antworten auf die Frage, wie es sein konnte, dass sich so viele der SS anschlossen, was sie antrieb, was sie nicht zweifeln, sondern weiter morden ließ. Ihre schmerzhafte Auseinandersetzung ist sehr umfassend, berührend, empfehlens-und lesenwert.

„Das falsche Leben – Eine Vatersuche“, Ute Scheub, Piper Verlag, 2006, 287 Seiten

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